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Wernigerode, 10.09.2014
 
 
Die DIMB IG Harz - Status, Philosophie und Ziele im Herbst 2014.
 
Der Text gliedert sich in zwei Teile, wobei der erste die IG Harz und ihre Ziele vorstellt und der zweite differenziert auf den Nationalpark Harz und dessen Interessenskonflikt mit den Nutzern des Harzes eingeht.
 
Von Garrit Wenzel, Sprecher der IG Harz (Hauptautor)
und RA Christian Schulz, stellv. Sprecher der IG Harz, Ergänzungen und Korrekturen
 
Inhalt
 
Inhaltsverzeichnis 1
 
Teil I - Die IG Harz und das Mountainbiken im Harz
DIMB IG Harz
Haltung des Nationalpark Harz zum Moutainbiken
Der Nationalpark Harz - völlig verändert im Jahr 2022?
Wirtschaftbremse Nationalpark
 
Teil II - Der Nationalpark Harz, Naturschutz und Konflikte
Nationalpark der Kat. II der ICUN - oder nicht?
Rekultivierung oder Zerstörung...
...oder doch nur Geld?
Verhältnismäßigkeit
Standpunkt und Aussicht
Forderungen
IG Harz Tour
 
 
Teil I - Die IG Harz und das Mountainbiken im Harz
 

DIMB IG Harz

 
Im Dezember 2012 wurde von einer Gruppe von Mountainbikern die DIMB IG Harz gegründet. Diese Interessengemeinschaft ist eine Untersektion der “Deutschen Initiative Mountainbike”, der größten Interessenvertretung Deutschlands speziell für Mountainbiker mit derzeit über 60.000 Mitgliedern.
 
Ziel der „DIMB Interessengemeinschaft Harz (IG Harz)“ ist die Wahrnehmung der Interessen aller Naturfreunde, die sich mit dem Fahrrad im Harz und vor allem auch im Nationalpark Harz bewegen möchten. Hierzu wollen wir die Interessen der Mountainbiker stärker als bisher nach außen kommunizieren und in den Fokus der Außenwahrnehmung rücken.
 

Haltung des Nationalpark Harz zum Mountainbiken

 
Im Herbst 2012 sperrte die Nationalpark-Verwaltung (später im Text auch „NPV“) erstmalig einige schöne und meist schmale Wege, jedoch ausschließlich für Mountainbiker. 
 
Zur Begründung wurden Gründe der Gefahrenabwehr bei der Begegnung zwischen Mountainbikern und Wanderern angegeben. Dieses sorgte  im Kreise der Radfahrer und der meisten Wanderer für Erstaunen, da auf diesen Wegen weder ein Gefahrenpotential vorhanden ist, noch überhaupt ein schwerwiegender Zusammenstoß bekannt war. Die Gefahr liegt auf den breiten Forstwegen, da die Geschwindigkeiten dort höher sind und Wanderer oft etwas unaufmerksamer unterwegs sind, als auf schwierig zu gehenden Pfaden.
 
Bei einem runden Tisch im Frühjahr 2013 konnte der Nationalpark (später im Text auch „NP“) keine Belege für dieses angebliche Gefahrenpotential vorbringen und verlegte seine Argumentation überraschend auf die Darstellung der Natur- und Wegzerstörung durch das Mountainbiken sowie die Störung des Wildbestandes und geschützter Tierarten. Diese Darstellungen entsprechen weder dem aktuellen Wissenstand, noch konnten sie ansatzweise bewiesen werden. Auch ist die idealisierte Darstellung des Wanderers, der sich ruhig und lautlos durch den Nationalpark bewegt, so leider nicht zutreffend. Größere Gruppen sind meist lauter und länger in einem Abschnitt unterwegs als Mountainbiker. Das Störungspotential für die Natur ist also bei allen Naturfreunden prinzipiell mindestens gleich hoch.
 
Die IG Harz erstellte daraufhin eine umfangreiche Gegendarstellung und konnte auch anhand von Bildern belegen, das die Sperrungen fast durchweg unbegründet sind und die Schäden an den Wegen entweder nicht oder nicht ausschließlich durch Mountainbiker verursacht wurden.
 
Nach langem Hinhalten lautete die Antwort des NP lapidar, das auf Grund der auseinanderliegenden Standpunkte einstweilen keine weitere Diskussion stattfinden soll; man die bisherigen Sperrungen nicht aufheben wolle.
 
Wir werden uns an diesem Punkt nicht abweisen lassen und erwägen nun weitere, eventuell auch juristische Schritte, da sich der Nationalpark Harz an seine eigenen Gesetze zu halten hat. So beinhaltet das “Gesetz über den Nationalpark „Harz (Sachsen-Anhalt)“ vom 20. Dezember 2005”, die Grundlage aller Handlungen und gesetzlicher Rahmen des Nationalparks, den § 5, Regionale Belange, Nationalparkgemeinde, Zitat:
 
 
(1) Die Nationalparkverwaltung hat bei ihren Entscheidungen nach diesem Gesetz die Interessen der ortsansässigen Bevölkerung an der Sicherung und Entwicklung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie die Belange der regionalen Entwicklung, der gewerblichen Wirtschaft und des Tourismus zu berücksichtigen, soweit der Schutzzweck (§ 3) es erlaubt.
(2)...
 
 
Das Mountainbiken wie das Radfahren allgemein ist momentan die wohl am stärksten wachsende Freizeitbeschäftigung in der Natur und gerade auch im Harz und dem Nationalpark. Das äußert sich auch in der steigenden Zahl spezieller Angebote vom Tourguide bis zum Mountainbiker-Hotel in der Region. In unserer wirtschaftlich schwachen Region verursacht das aktuelle Vorgehen der Nationalparkverwaltung blankes Entsetzen unter den betroffenen Dienstleistern. Bereits jetzt mussten einige attraktive Touren aus den Programmen der Anbieter gestrichen werden, da seit vielen Jahren bekannte und vor allem für Fahrradtouristen lohnenswerte Wege und Pfade gesperrt wurden. Diese waren allerdings nur der Anfang, der Nationalpark plant zeitnah eine weitere Umsetzung seines Wegeplanes mit umfangreichen Sperrungen gegen Mountainbiker vor allem auch im westlichen Teil des Hochharzes.
 
 

Der Nationalpark im Jahr 2022?

 
Die folgenden Überlegungen lassen allerdings den Schluss zu, dass mit dem ersten Sperren von Wegen für Mountainbiker eine viel weiter reichende Strategie verfolgt wird. Denn offensichtliches Ziel des NP ist es, bis zum Jahr 2022 einen Anteil „naturdynamischer Kernzone“ mit 75 % der Gebietsfläche des NP zu schaffen.
Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus verschiedenen Indizien, z.B. dem Evaluierungsplan und Vorgaben des Dachverbandes des Nationalpark Harz, der IUCN  (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources, „internationale Union für die Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen“). Leider hat es die Nationalparkverwaltung bisher versäumt, den Gästen und Nutzern des Nationalparks und der allgemeinen Öffentlichkeit irgend etwas über ihre Entwicklungsziele zu kommunizieren.
 
“Kernzone” bezeichnet ein großes, nicht durch Wege zerschnittenes und naturbelassenes Gebiet. Um dieses zu installieren, wird in einem ersten Schritt massiv gegen die Mountainbiker, Kletterer und eventuell weitere schwache Nutzergruppen vorgegangen. In Zukunft werden allerdings auch Sperrungen gegen Wanderer erforderlich sein, anders lässt sich die Kernzone in dem angestrebten Umfang nicht realisieren.
Erste Anzeichen dazu gibt es beispielsweise am Höllenstieg zu sehen. Er wurde nun für Mountainbiker gesperrt, im oberen Teil werden seit Jahren querliegende Stämme nicht vom Weg entfernt und an seinem Ausgang wurde das Blumentopf-Moor als Biotop vergrößert, aber die Umgehung nicht angepasst. Hier ist in den nächsten Jahren ein Sperrung des Höllenstieges für alle Nutzer zu erwarten, da dieser genau in dem vom Nationalpark als Kernzone angestrebtem Gebiet liegt.
 

Wirtschaftsbremse Nationalpark

 
Die Nationalparkverwaltung stellt den Park gern als touristischen Magneten hin und arbeitet mit fragwürdigen Zahlen bei dieser Darstellung. Fakt ist, das der Harz vor allem eigenständig Touristen anzieht, und zwar mit seiner geographischen Lage und Beschaffenheit, seiner Geschichte, seinen Sehenswürdigkeiten, seinen Sagen und Märchen und auch seiner Tradition als touristisches Ziel. 
 
Anfang der 90er Jahre wurden ausgerechnet die Teile des Harzes mit der größten Faszination und Außenwirkung, der Hochharz, durch zwei Nationalparks - heute ein Nationalpark Harz - in Beschlag genommen. Dabei wurden weder dem Tourismus noch anderen Nutzergruppen wirkliche Alternativen gelassen, gerade für die Mountainbiker und in Zukunft auch die Wanderer gibt es keine vergleichbare Region im Harz, die vergleichbar lange An- und Abstiege und damit absolute Höhenmeter am Stück bietet wie die Hochharz-Region. Gerade diese lockt Touristen an - nicht der Nationalpark. Sehenswürdigkeiten wie der Brocken, die vielen Klippen und Gipfel sowie einige malerische Harzorte brauchen den Nationalpark nicht.
In den letzten Jahren entwickelte sich der Nationalpark sogar als Hindernis für den Tourismus. Das ist auch verständlich, wird er doch von Naturschützern verwaltet, obwohl er nicht ausschließlich dem Naturschutz dienen soll.
 
So wurden rund um den Brocken alteingesessene Ski- und Jagdhütten abgerissen oder unerreichbar durch Wegerückbau gemacht, so die alten fürstlichen Stallruinen auf der Heinrichshöhe. Ein weiteres negatives Beispiel ist der Ausbau des Goetheweges, weg von einem interessanten, naturbelassenem Pfad hin zu einer Forststraße. Berechtigte Kritik der verschiedensten Nutzergruppen wurde ignoriert.
 
IG Harz
 

Teil II - Der Nationalpark Harz, Naturschutz und Konflikte

 

Nationalpark der Kat. II der IUCN - oder nicht?

 
Die Richtlinien, nach denen in Europa und vor allem auch in Deutschland Nationalparks und Naturschutzgebiete eingerichtet und unterhalten werden, erstellt die IUCN, die als internationale Organisation den Naturschutz koordiniert. Diese Richtlinien werden in Deutschland vom Bundesamt für Naturschutz (kurz BfN) umgesetzt.
 
Auf der Website des NP Harz ist zu lesen, das er zur Kategorie II nach IUCN Standards gehört. Das  BfN verweist hierzu auf die Regeln des Bundesnaturschutzgesetzes. 
 
Dort steht zu den Nationalparks folgendes im § 24:
 
„Sie sind [Nationalparks, A.d.A.] gemäß § 24 Abs. 1 BNatSchG „einheitlich zu schützende Gebiete, die
1. großräumig, weitgehend unzerschnitten und von besonderer Eigenart sind,
2. in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets die Voraussetzungen eines Naturschutzgebiets erfüllen und
3. sich in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets in einem vom Menschen nicht oder wenig beeinflussten Zustand befinden oder geeignet sind, sich in einen Zustand zu entwickeln oder in einen Zustand entwickelt zu werden, der einen möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik gewährleistet.”
 
Der Harz erfüllt auf der Fläche des Nationalparks keines dieser Kriterien!
 
Er ist auf Grund seiner historischen Bedeutung als Bergbau- und Wirtschaftsregion schon seit Jahrhunderten weder ursprünglich, noch unzerschnitten, er erfüllt deshalb nur in kleinen Gebieten die Voraussetzungen für Naturschutzgebiete, da er großflächig vor allem aus von Menschenhand gepflanzten und ohne Pflege nicht lebensfähigen Monokulturen inklusive der dazugehörigen Wirtschaftswege besteht und auf gar keinen Fall in einen schützenswerten Zustand zu versetzen ist, der die Bedürfnisse der Region berücksichtigt. Auch die Fauna ist nicht unreguliert lebensfähig, was die jährlichen, durch die NPV veranstalteten Großjagden eindrucksvoll zeigen.
 
Auf der Website des BfN http://www.bfn.de/0308_nlp.html findet sich die folgende Richtlinie:
 
“Um die internationalen Richtlinien der IUCN zu erfüllen, müssen mindestens drei Viertel der Fläche eines Schutzgebietes seinem Hauptziel entsprechend verwaltet werden. Das bedeutet nach EUROPARC und IUCN für Nationalparke, dass sie auf 75% ihrer Fläche einem weitgehend naturnahen Zustand entsprechen müssen und keiner dem Schutzzweck entgegenstehenden Nutzung unterliegen dürfen.
 
Diesen Status erfüllt der NP Harz bisher nicht. Vielmehr soll dieses Ziel bis 2022 erreicht werden. Wie allerdings, teilt der NP bisher nicht mit. Aufgrund des bisherigen Vorgehens liegt der Schluss nah, dass hier auf einer Fläche von bis zu 75 % sämtliche Nutzer aus dem Nationalpark ausgeschlossen werden sollen. Wie sonst will der NP sonst die naturdynamischen Zonen erreichen. Nur durch Waldumbau wohl kaum.
Die Art und Weise, mit der die Nationalparkverwaltung einen solchen Status erreichen möchte, ist durch aktuelle Maßnahmen bereits absehbar. Allerdings sind diese aus Sicht vieler Experten völlig ungeeignet, wie der nächste Abschnitt belegt.
 
Mountainbiken im Harz
 

Renaturierung oder Zerstörung...

 
Mit der Sperrung von Wegen zu Lasten von Mountainbikern gerät die Nationalparkverwaltung vor allem in Erklärungsnot, wenn zeitgleich großflächige Baumfäll- bzw. Erntemaßnahmen durchgeführt werden. Auf eine Nachfrage zur massiven Holzgewinnung im Bereich des “Beerenstieges” an der Flanke des Hohnekammes reagierte man auch sehr dünnhäutig. Nicht wörtlich äußerte sich Dr. Knolle, der Pressesprecher des Nationalparks, dahingehend, dass die IG Harz bitte Ihre Zuständigkeit beachten solle und die Holzeinschläge der Rekultivierung hin zu einem naturdynamischen Wald dienen.
 
Diese Darstellung teilt nicht nur die IG Harz nicht, sondern auch viele Fachleute lehnen solche Maßnahmen kategorisch ab.
Dabei geht es nicht um das Ziel - ein naturdynamischer Wald sollte zweifelsfrei das Ziel sein. Gemeint ist ein “Urwald”, in dem sich Flora und Fauna ohne menschliche Hilfe entwickeln und erhalten können. Dazu ist eine künstliche Monokultur nicht in der Lage. Um einen solchen natürlichen Wald entstehen zu lassen, muss man genau eins tun: nichts. Reine Nadelkulturen haben auf Grund ihrer unausgewogenen Struktur bei Nährstoffbedarf und Regeneration eine relativ kurze Lebenszeit und verschwinden selbständig. Nach dem Absterben erster Bäume entstehen Angriffspunkte für den Wind, es kommt zu größeren Windbrüchen mit Lichtungen, abgestorbene Bäume bilden eine Schicht, die Wasser und Nährstoffe speichert und Bodendeckern wie Farnen etc. sowie Kleintieren artgerechte Lebensräume bietet. Wichtig dabei: keine Maschinen verdichten den Boden oder beschädigen anderweitig die empfindliche Waldbodenstruktur.
Nach Darstellung des NP Harz dienen die nun stattfindenden Einschläge ausschließlich der Beschleunigung diese Prozesses, in dem durch künstliche Auslichtung bessere Bedingungen für die Unterpflanzung von beispielsweise Buchensetzlingen geschaffen werden sollen. Diese Vorgehensweise ist nach Ansicht vieler Experten völlig kontraproduktiv, unnötig und dient meist einem anderen Zweck, nämlich einem finanziellen.
 
Weiter mit dem Beispiel “Beerenstieg”: hier wurde im Herbst 2013 begonnen, massiv den Fichtenbestand zu ernten. Dabei wurden bei den bisherigen Arbeiten sehr hochwertige Bäume entnommen, wie man an den großen Lagern am “oberen Hohneweg” kurz vor dem alten Skihang gut erkennen konnte. Zur Ernte wurde ein so genannter Seilkran benutzt, der Stämme über große Entfernungen aus dem Wald ziehen kann, ohne das neue Rückegassen angelegt werden müssen. Anders wäre eine Förderung auf Grund der Hanglage sowie der vielen Steine und Klippen auf diese Fläche aber auch nicht möglich. Ein Nachteil eines Seilkranes ist, das er durch Stahlseile abgespannt wird, die sich teils tief in stehende Bäume einschneiden.
Auch werden beim Ziehen der Stämme oft andere Bäume beschädigt.
 
Nicht hinnehmbar ist, das der Nationalpark hier einen Kran benutzt, der massiv Hydrauliköl verliert.
 
Hydrauliköl läuft aus
Ein Harvester im Nationalpark!
Öl
 
Der eigentliche Vorteile eines solchen Gerätes, das es weniger Rückegassen benötigt und dafür meist schmalere Fördergassen ohne Bodenverdichtung benutzt werden, wird so zunichte gemacht. Inwieweit das ausgelaufene Öl biologisch abbaubar ist, spielt kurzfristig keine Rolle. Öl ist aufgrund seiner kriechenden und klebenden Eigenschaften so gefährlich für vor allem kleinere Lebewesen, die meist daran ersticken oder anderweitig versterben, weil sie das Öl nicht vom Körper bekommen.
 
Zerstörter Wald
 
Auch die verwendeten Erntegeräte müssen kritisiert werden. Es handelte sich um Bagger, die mit einem Harvester-Kopf für die Holzernte umgerüstet wurden. Beide Bagger hatten Arbeitsmassen von über 20 Tonnen - durch den Ausleger, die daran befindliche Masse des Stammes und die Arbeitsbewegungen werden hier extreme Bodendrücke erreicht. Nicht umsonst verfügen normale Forstmaschinen über sehr breite Bereifung mit sehr niedrigem Innendruck, um durch eine große Auflagefläche einen möglichst geringen Bodendruck zu erzeugen. Die hier verwendeten Bagger nutzten einmal ein Raupenkettenfahrwerk, das zwar den Boden durch große Auflageflächen im Verhältnis weniger verdichtet, bei der Kurvenfahrt allerdings beeindruckende Schäden verursachen kann. Der andere Bagger allerdings war mit einem herkömmlichen Zwillingsreifen-Fahrwerk bestückt. Diese ist für Arbeiten im Wald überhaupt nicht geeignet, es verursacht einen immensen partiellen Bodendruck und damit sichtbare Rinnen, unter denen es zu einer sehr tief wirkenden Verdichtung kommt. Diese erkennt man bei Nässe sehr gut an der Pfützenbildung in solchen Rinnen, der Boden darunter ist im Gegensatz zu umliegenden Vertiefungen, unter denen keine solche Verdichtung vorliegt, nicht in der Lage, das Wasser zu transportieren, da die Krümelstruktur des Bodens mit den Kapillaren zusammengequetscht wurde. Hier wird sich auch in vielen Jahren niemals das gleiche Bodenleben und die gleichen Wassertransport-Eigenschaften entwickeln wie im umliegenden Bereich. Sehr kritisch ist die fast zu 100% eingeschränkte Fähigkeit des Gasaustausches, das Bodenleben erstickt, da kein CO² abtransportiert wird.
 
Waldumbau? So?
 
Bereits Anfang der 90er Jahre war unter Sachkundigen bekannt, das der Einsatz schwerer Technik starke nachteilige Konsequenzen für den Waldboden bringt. Dazu ein Artikel aus der “Forst- und Technik” von 1994:
 
http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/5225/pdf/Hildebrand_Bodenschaeden_beim_Harvester.pdf
 
Auch wenn zum Teil bei den Arbeiten ein Reisigteppich für die Maschinen verwendet wurde und diese fast ausschließlich auf den drei quer zum Hang liegenden alten Rückewegen eingesetzt wurden, ist auf diesen ein massiver Schaden am Boden entstanden. Es werden sich hier auch in ferner Zukunft immer erkennbare Spuren menschlichen Eingriffs erkennen lassen. Zum Teil lassen sich derartige Bodenverdichtungen noch über Jahrhunderte nachweisen, wie z.B. in Stonehenge.
 
Die Nationalparkverwaltung hielt sich wahrscheinlich grob an die aktuellen Richtlinien zum Einschlag, wie sie hier beschrieben werden:
 
http://www.wald-und-holz.nrw.de/fileadmin/media/Dokumente/Ausschreibungen/Unterlagen_Unternehmereinsatz/RL_Schutz_Waldboden_Holzerntemassnahmen_18092013.pdf
 
Allerdings gelten diese Richtlinien für Wald im Sinne von Nutzwald zur regelmäßigen Ernte - keinesfalls für Wald, der in Zukunft naturbelassen bleiben soll!
 
Wie drastisch sich Bodenverdichtung auf Waldboden auswirkt, erfährt man hier sehr genau:
 
http://www.bund-helmstedt.de/pdf/wald_brief_03_2010.pdf
 
Ein ähnliches Verhalten eines anderen Nationalparks wird hier dargestellt und kritisiert:
 
http://franzjosefadrian.com/wordpress/?page_id=7493
 
Es ist festzustellen, das die Nationalparkverwaltung offensichtlich bei solchen sowieso umstrittenen Umstrukturierungsmaßnahmen nicht mit der erforderlichen Sorgfalt vorgeht, die man von einer Behörde mit dem Arbeitsziel Naturschutz erwarten würde. Für Forstarbeiten ungeeignete und daher von Sachverständigen nicht empfohlene Maschinen sowie umweltverschmutzende Technik sollten bei einer Kontrolle der Arbeiten dringend auffallen und ein Stoppen der Arbeiten zur Folge haben.
 

...oder doch nur Geld?

 
Unter der letztgenannten Quelle erfährt man auch, worum es tatsächlich geht. Es geht um finanzielle Einnahmen.
Der Nationalpark Harz hat wie jede Behörde ein Budget, einen Haushaltsplan. In diesem wird detailliert festgelegt, was in einem kommenden Zeitraum für welche Aufgabe an Mitteln zur Verfügung steht und was an Einnahmen zu erzielen ist. Dieser Haushalt plant für 2014 Einnahmen in Höhe von 1.100.000 EUR durch den Verkauf von Holz vor. Im Jahre 2012 erfüllte der Nationalpark das Ziel von 1,3 Millionen EUR fast mit 1.238.834 EUR im Titel “125 01 331 Erlöse aus Waldbehandlung und Wildbestandsregulierung”.
 
Quelle: http://www.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Elementbibliothek/Bibliothek_Politik_und_Verwaltung/Bibliothek_Ministerium_der_Finanzen/Dokumente/HPL_2014/HPE_2014_Einzelplan_15.pdf, Seite 125 ff.
 
Wir sehen hier einen großen Widerspruch zu den Ausführungen, die der NP Harz auf seiner eigenen Website zu den Schutzgebieten und den Klassifizierungen bereithält:
 
„Naturdynamikzone
Wald in der Naturdynamikzone bleibt sich selbst überlassen. Hier erfolgen keine menschlichen Eingriffe mehr. Ausnahmen sind nur die Borkenkäferbekämpfung in einem 500 Meter breiten Streifen an den Außengrenzen des Nationalparks sowie die Verkehrssicherung an wichtigen Wegen.
 
Naturentwicklungszone
In den Naturentwicklungszonen führt der Nationalpark noch Maßnahmen durch, die die Naturnähe in diesen Bereichen erhöhen sollen. Dadurch werden Strukturvielfalt und ökologische Stabilität verbessert und Laubbäume gefördert. Es werden keine wirtschaftlichen Ziele verfolgt. Das im Wald anfallende Holz kann jedoch genutzt werden.”
 
Quelle:
http://www.nationalpark-harz.de/de/naturschuetzen/waldentwicklung/#intNavBreadcrumb
 
In der Naturdynamik- oder Kernzone verbieten sich also jegliche Forstarbeiten.
In der Naturentwicklungszone soll durch Maßnahmen (anderweitig durch den Nationalpark „Waldumbaumaßnahmen“ genannt) der Wald verändert werden, wirtschaftliche Interessen gibt es nicht. Das steht in eindeutigem Widerspruch zum Haushaltsplan, der Erlöse einfordert bzw. voraussetzt. Die weiter oben beschriebenen Forstarbeiten werden aber eindeutig erkennbar unter wirtschaftlichen Aspekten durchgeführt, anders ist das Hohe Maß an leider auch dauerhafter Zerstörung sowie die allgemeine Art und Weise der Forstarbeiten nicht erklärbar. Für eine Waldentwicklung hin zu einem natürlichen, ursprünglichen Baumbestand ist ein Entfernen der Stämme weder erforderlich, noch sinnvoll.
 
Denn dieses anfallende Holz muss zwangsläufig mit schwerer Holzerntetechnik geerntet werden, da es sonst in der Gewinnung zu teuer und damit unverkäuflich wäre. Durch diesen wirtschaftlichen Zwang, der aus dem Schutzzwecke heraus unnötig ist, wird die kritisch zu sehende Bodenzerstörung in Kauf genommen. Diese steht einer schnellen und umfänglichen Renaturierung und damit dem eigentlichen Schutzziel im Weg.
 

Verhältnismäßigkeit

 
Für alle Nutzergruppen außer dem Nationalpark selbst ergibt sich durch dieses Verhalten eine wahrgenommene Schieflage. Zum einen wird nach offizieller Darstellung das Mountainbiken auf den Wegen des Hohnekammes verboten, während nur wenige Meter weiter schwere, ungeeignete Maschinen mit der Holzernte beschäftigt sind und den Boden in einer Qualität zerstören, die auch durch unzählige Radfahrer oder Fußgänger niemals erreichbar ist. Es werden quer über den Weg liegende Baumstämme am Höllenstieg, die ein großes Ärgernis für Wegbenutzer sind und gerade älteren Naturfreunden das Wandern beschwerlich machen, nicht beräumt, während anderswo im Nationalpark Öl aus einem Seilkran tropft. So ein Vorgehen sorgt bereits jetzt dafür, das solche Verbote zum Teil nicht mehr ernst genommen und befolgt werden. Solche willkürlich wirkenden Handlungen der Nationalparkverwaltung befremden regionale Nutzer und Touristen.
 

Standpunkt und Aussicht

 
Es ist für den Nationalpark im Moment offensichtlich noch ein großer taktischer Vorteil, dass die Pläne zur weiteren Ausdehnung der Kernzone und die daraus resultierenden Einzelmaßnahmen mit ihren Einschränkungen für alle Nutzergruppen bisher in keiner Weise kommuniziert werden. Wir sehen die aktuellen Sperrungen gegen Mountainbiker als ersten Schritt hin zu einem großen, Nutzer-freien Gebiet im Sinne einer Naturdynamikzone von mindestens drei Vierteln des Nationalparkgebietes, wie es von der IUCN für den Titel “Nationalpark” vorgeschrieben wird. Eine solche Struktur wird erhebliche Auswirkungen für alle Nutzergruppen bringen.
 
Die Nationalparkverwaltung muss dringend aufgefordert werden, ihre detaillierten Planungen bezüglich eines naturbelassenen Flächenanteiles von 75% bis zum Jahre 2022 unverzüglich und umfassend öffentlich zugänglich zu machen!
Ein weiterer Vorteil der NPV ist die momentane “Splitterlandschaft” der einzelnen Nutzergruppen des Harzes. Dieser Umstand wurde bisher ausgenutzt und muss in Zukunft beseitigt werden. So wurde durch die völlig indiskutabel gestalteten Verbotsschilder gegen Mountainbiker im Stile eines Verbotsschildes aus dem Straßenverkehr und ihre teils fragwürdige Anbringung, ohne Verbotsende oder nur an unteren Wegeinstiegen, eine Kriminalisierung der Radfahrer erreicht, die sich schon auf andere Gebiete auswirkt. Wanderer halten Radfahren im Wald zum Teil schon für generell verboten und äußern sich negativ bei Begegnungen auch auf Wegen, wo Radfahren geduldet wird oder ausdrücklich erlaubt ist.
 
Der Umstand, das Radfahren auf dem größten Teil des Streckennetzes im Nationalpark entweder bereits verboten wurde oder nur deshalb geduldet wird, weil der Wegeplan nicht zur Gänze umgesetzt wurde, ist ebenfalls ein nicht tragbarer Zustand. Mountainbiker fordern hier Rechtssicherheit, es kann nicht sein, dass Wege plötzlich gesperrt werden, die über Jahrzehnte nutzbar, bzw. befahrbar waren.
 
Zur Durchsetzung der Interessen aller Nutzergruppen im Harz und auch auf dem Gebiet des Nationalparks sollte dringend eine Zusammengehörigkeit dieser Gruppen organisiert werden. Mögliche Formen wären ein unabhängiger Verein oder eine anders geformte Interessengemeinschaft. Mit dieser könnten bestehende Netzwerke vor allem auch in die Politik und Wirtschaft zum Nutzen aller Gruppen vergrößert und verstärkt werden.
 

Forderungen

 
• Alle Sperrungen von Wegen zu Lasten der Nutzergruppe „Mountainbiker“ sind zurückzunehmen, da es keine Beweise gibt, dass sie mehr Schäden oder Störungen verursacht als andere Nutzergruppen.
 
• Es dürfen keine weiteren Sperrungen veranlasst werden.
 
• An den kleinen, lokalen Störpunkten müssen in Zusammenarbeit mit der DIMB IG Harz und/oder anderen Interessenvertretungen für Radfahrer sowie andere Nutzergruppen zielgerichtete Problemlösungen etabliert werden (Umfahrungen, Schiebe-Passagen, Befestigungen etc.).
 
• Es muss ein umfangreiches und zielführendes Programm zur Harmonisierung der Nutzergruppen im Nationalpark Harz sowie in der Gesamtregion Harz erstellt werden. Dazu gehört vor allem eine aufklärende, und nicht wie momentan praktiziert verbietende und diskriminierende Beschilderung!
 
• Die Nationalparkverwaltung Harz muss ihre Pläne hinsichtlich des „Waldumbaus“ und weiterer Maßnahmen zur Umwandlung von einem „Entwicklungs-Nationalpark“ zu einem „vollwertigen Nationalpark“ bis 2022 detailliert offenlegen.
 
 
Garrit Wenzel, Sprecher der DIMB IG Harz